Unser Urlaubsziel

Ferien mal anders – Haustausch bei den Wues

Seitdem die Romantikkomödie „Liebe braucht keine Ferien“, in den Hauptrollen eine verrückt-chaotische Cameron Diaz und eine tollpatschig-liebenswerte Kate Winslet, 2006 einige Millionen Dollar in die Kinokassen spielte, kennen viele das etwas andere Modell, um Urlaub zu machen: HOME EXCHANGE. Natürlich kann nicht jeder eine 1000 m² große Traumvilla in L.A. mieten oder vermieten und der neue Lover gehört ebenfalls nicht zum Konzept dazu, aber kostengünstige Ferien ohne Stornierungsgebühren in unsicheren Corona-Zeiten: Besser geht’s doch kaum.

Genau das waren meine Gedanken, als ich mich an den Computer setzte und Google fragte, wie Haustausch funktioniert. Unser langersehnter Wohnmobiltrip durch British Columbia (Kanada) wurde Coronabedingt abgesagt und wir waren planlos, wo und wie unser Urlaub aussehen könnte. Warum also nicht Häuser tauschen? (Patrick, seines Zeichens Kritiker, setze mich sofort darüber in Kenntnis, dass es ihm aber nicht recht sei, wenn fremde Menschen in unserem Ehebett schliefen.)

In einem unserer Lieblingsrestaurants in Scheveningen
Die Kinder hatten Spaß im Sand

Wie Tinder, nur für Urlaub

Seit mehr als zehn Jahren gibt es einige Portale, auf denen Häuser, Wohnungen und zum Beispiel Hausboote zum Tausch angeboten werden, nicht nur in Metropolen. Das größte Portal ist Homeexchange, welches 400.000 Mitglieder in 187 Ländern und 3.300.000 Tauschübernachtungen im Jahr 2019 verzeichnet. Jedes Mitglied zahlt eine Gebühr von 130,00€ jährlich, kann sich sein Profil einrichten und Tauschangebote erstellen.

Ich entschied mich für die noch unbekanntere Seite People Like Us, die 2018 von einem Australier gegründet wurde und zu dem Zeitpunkt noch kostenlos war. Das Profil bzw. Haus von Sophie und ihrer Familie aus dem niederländischen Den Haag gefiel mir auf Anhieb gut. Fünf Minuten zum Strand, ein hübsches Mittelreihenhaus „typisch holländisch“, zwei Kinderzimmer und eine kleine Dachterrasse – völlig überzeugende Argumente, um das Experiment Haustausch auszuprobieren. Nach einem kurzen Austausch einigten wir uns auf einen Zeitraum von vier Nächten im Juli. Unsere jeweiligen Do’s und Don’t und die Funktionsbeschreibung sämtlicher Haushaltsgeräte schrieben wir in einem Word-Dokument nieder. Zwei Wochen vor Termin verabredeten wir uns zum Videocall, denn auch für mich war klar, dass ich die Menschen, die Urlaub in unserem Haus machen, irgendwie nett finden sollte.

Kommunikation ist das Schlüsselwort

Den heißen Tipp zum Thema Haustausch bekam ich übrigens von Followerin Nina, die seit über 20 Jahren mit ihrer Familie ausschließlich Haustauschferien macht. „Weißt du, wo wir wohnen? Dritte Kuh, links!“ waren ihre Einstiegsworte in unsere Konversation. Nina berichtete mir, dass sie noch keine schlechte Erfahrungen gemacht habe, für sie aber eine Sache am Wichtigsten ist: Kommunikation! „Ohne gegenseitigen Austausch funktioniert es nicht! Dann ist einer frustriert, weil er nicht herausfindet, wie die Waschmaschine funktioniert. Eine Nachricht reicht und ich erkläre es ihm.“

Am Tag unserer Abreise brachte ich unser Haus auf Vordermann, bezog die Betten für unsere Gäste, stellte alle unsere privaten Dinge in Schränke, legte frische Handtücher raus und stellte frische Blumen, einen Kuchen und eine Flasche Wein auf den Esstisch. Am Tag vorher hatte ich bereits für die Tauschfamilie eingekauft. Gastfreundlich sein, sich für neue Dinge öffnen, das waren meine Gedanken, während ich den Schlüssel unseres Hauses im Garten versteckte.

Das Tauschhaus war ein zauberhaftes Reihenhaus fünf Minuten vom Meer entfernt.

Feeling Social

Nach dreistündiger Fahrt erreichten wir unser Urlaubsziel. Eine hübsche, ruhige Wohngegend in Scheveningen. Der Moment, als wir die Tür zu „unserem“ Haus öffneten: er war seltsam. Ab diesem Moment tauchten wir in das Leben einer anderen Familie ein. Auf uns wartete ein frisch gebackener Kuchen, ein selbstgemaltes Bild und ein gut gefüllter Kühlschrank, aber auch Wäsche, die noch abhängt werden musste.

Ein großer Vorteil ist, dass man sich durch das Tauschkonzept wie ein richtiger „Local“ fühlt. Wir konnten die Fahrräder der Familie nutzen, parkten kostenfrei, kannten alle Adressen, wo sich die Einheimischen aufhielten und konnten vom Massenandrang fernbleiben. Auch mit den Nachbarn hielten wir ein Schwätzchen von Dachterrasse zu Dachterrasse und ließen uns die neuesten Corona-Infos zukommen. Es fühlte sich an, als gehörten wir dazu.

Experiment geglückt

Nach fünf wunderschönen Tagen an der holländischen Küste, die Rückbank voll neuer Impressionen und glücklicher Kinder, beendeten wir unser „Abenteuer Haustausch“. Während Patrick mit den drei Kindern auf den nahegelegenen Bauernhof ging, putze ich das Haus und versuchte, zu rekonstruieren, wo genau alle Gegenstände hingehörten. Ein Glück: Ich hatte bei Ankunft Fotos gemacht. Spontan entschieden wir uns, die Tauschfamilie auf einem bewirtschafteten Spielplatz bei Venlo zu treffen. Natürlich mochten wir uns auf Anhieb. Der Kontakt ist geblieben und unser nächster „Home Swap“ bereits in Planung. Experiment geglückt.

Da man beim Haustausch die Übernachtungskosen spart, kann man öfter essen gehen.
Wenn es abends am Strand kalt wurde, haben wir uns mit den Handtüchern zugedeckt.

Heiße Tipps für Scheveningen

Unsere Lieblings-Beachbar: The Fat Mairmaid

Am unteren Teil der Promenade findet ihr den Abgang zum Lokal. Neben einer wundervollen Außenterrasse kann man hier auch direkt am Strand sitzen. Es stehen verschiedene Möbel herum, die man sich beliebig zusammen sammeln kann. In der Mitte ist ein großer grüner Korb mit Sandspielzeug für die Kinder. Besonders gut hat uns hier das gegrillte Gemüse mit Humus geschmeckt. Es gibt selbstgemachtes Eis am Stiel (super fruchtig!) und extrem nettes Personal.

Unser Lieblings-Frühstückshotspot: Greens in the Park

Im grünen Herzen von Scheveningen, dem großen Stadtpark, liegt das alte Gewächshaus und heutige Restaurant „Greens“. Innen mit schöner Holzausstattung und hängenden Pflanzen und außen mit einem großen Bereich, in dem man sich mehr wie in einem wilden Garten fühlt, ist der Ort Entspannung pur. Hier lässt es sich in jedem Fall köstlich frühstücken. Direkt nebenan ist ein großer öffentlicher Spielplatz.

Surfschule und chilliges Strandcafé: Hartbeach

Wenn man selbst surfen oder die Kinder in einer Surfschule anmelden möchte… oder zumindest anderen beim Surfen zusehen möchte und die Vibes ein wenig spüren will, muss auf jeden Fall zum Hart Beach fahren. Im coolen Restaurant und Café gibts viele (vegane) Köstlichkeiten und im dazugehörigen Shop kann man sich ein Bisschen Surferfeeling mit nach Hause nehmen.

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