Küche

Film ab! Unser Haus als Shootinglocation

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as eigene Heim als Location für Fotoshooting oder Filmdrehs vermieten – unvorstellbar? Nein! Wie man an Interessenten kommt, was man beachten sollte, wie hoch eine “Gage für das Eigenheim” in etwa ist und unsere Erfahrungen als Motivgeber, darüber erzähle ich in diesem Blogpost.

Klein angefangen, denn auch Wohnungen werden gesucht

Schon in meiner Studenten-WG in einer unspektakulären, kleinen Kölner-Innenstadt-Wohnung war ich für das Thema offen. 2010 vermittelte ich über einen Job-Kontakt eine RTL2-Sendung an meine damalige Mitbewohnerin (und heutige Freundin, ich hoffe, sie bringt mich für die Erwähnung nicht um), die in unserer WG-Küche mit tiefsitzender Cap und Hornbrille (um nicht erkannt zu werden) mit einer Reality-TV-Darstellerin einen Dialog führte. Es gab einen netten Lohn und Platz Eins der 1LIVE O-Ton-Charts dafür. Aber das nur als kleine Sidestory zu dem Thema. Eins steht fest: nicht nur Traumvillen werden gesucht, sondern auch Wohnungen, die “ganz normal” sind.

Das Spektrum ist groß

Grundsätzlich haben die meisten TV- oder Kino- Produktionsfimen Locationscouts an der Hand, die sich ausschließlich damit beschäftigen, die passenden Räumlichkeiten für diverse Film- oder Fernsehdrehs zu suchen. Andersherum gibt es aber auch Locationagenturen, die die Räumlichkeiten dem anfragenden Kunden anbieten. Wir haben bereits mit beiden Seiten Erfahrungen gemacht. Unser Haus wurde schon für große Kinofilmdrehs angefragt, jedoch ist hier oft eine mehrwöchige Dauer angesetzt. Da wir in einem Vierkanthof leben, kann unser Haus nicht so einfach bespielt werden und wir möchten natürlich Rücksicht auf die Nachbarn nehmen. Außerdem wird die ganze Familie über die Zeit in einer Ferienwohnung oder, bei kürzeren Drehs, im Hotel untergebracht. Dies ist für uns nicht machbar. Je flexibler man also als Locationgeber ist und je weniger “genau” man mit dem eigenen Hab und Gut ist, desto einfacher ist es, sein Heim als Location anzubieten.

Unser Wohnzimmer bei einer Werbeproduktion.
Auch im Garten wird Licht gesetzt.

Sehr wichtig: Absprachen (bei der Vorbesichtigung)

Meistens gibt es eine Vorbesichtigung vom Fotografen und/oder Drehteam. Hier werden schon erste Absprachen getätigt und Fotos im normalen Zustand der Immobilie gemacht. Oftmals gucken sich die Teams mehrere Locations einer Agentur an, um sich die Beste für ihren Kunden und das Projekt herauszusuchen. Bei diesem Termin sollte man am Besten schon über Veränderungen in den Räumen und weitere Details sprechen – zum Beispiel welche Möbel weg- oder umgeräumt werden, ob eine Wand gestrichen wird, wird auch draußen ausgeleuchtet (Nachbarn informieren)? Und weiter: wer zahlt die Stromkosten? Tragen die Mitarbeiter “Schuhschoner”, um den Boden zu schützen oder werden Matten ausgelegt? Wer entsorgt den Müll, wird Geschirr genutzt oder mitgebracht? Man sollte sich bewusst sein, dass am Tag des Drehs oder Fotoshootings einige fremde Menschen im Haus sein werden. Ich lasse mir daher vorher immer sagen, wie groß das Team ist, um für uns abzuwägen, ob wir mit der Anzahl d’accord sind oder es eine zu große Produktion ist. Bei Werbedrehs ist das Team manchmal über zwei bis drei Tage von morgens früh um 7 Uhr bis abends um 22 Uhr tätig, so dass man keinerlei Möglichkeit hat, zum Beispiel die Küche zu nutzen. Alle Fakten sollten also vorher genau besprochen, vereinbart und ggf. auch schriftlich festgehalten werden. Standardmäßig gilt, dass das Team am Ende alles “wie vorgefunden” hinterlässt, die Reinigungsarbeiten aber vom Locationgeber übernommen werden. 

So gehen wir vor

Wir hatten auch schon einige Werbedrehs im Haus, haben am Ende des Tages aber festgestellt, dass für uns diese großen, mehrtägigen Produktionen nicht mehr in Frage kommen. Letztlich ist es unser Heim, das wir mit Herz und Passion eingerichtet haben, und es fällt uns schwer, es an ein großes Team abzugeben. Wenn unseren Kindern Dinge auf den Boden fallen und das Parkett Schrammen bekommt, ist das die eine Sache (und nicht so schlimm), wenn aber große technische Geräte über den Boden geschliffen werden, weil wir unser Haus vermietet haben, dann, so haben wir festgestellt, können wir damit nicht gut leben. Natürlich passiert so etwas nie mit Absicht, dennoch kann man sich dagegen nicht absichern. (Eine Versicherung ist im Normalfall von Seiten des Motivnehmers vorhanden, so dass Schäden übernommen werden.)

Unsere Lösung: Fotoshootings

Wir haben mit Fotoshootings die besten Erfahrungen gemacht. Meistens sind die Teams nicht größer als 15 Personen, es wird nur minimal umgebaut oder Möbel verrückt und mehr als zwei bis drei Tage wird selten geshootet. Abends werden die Geräte in einer Ecke abgestellt, so dass wir unser Wohnzimmer nutzen und uns trotzdem zuhause fühlen können. Als Honorar kann man im Normalfall circa pro Tag eine Netto-Monatsmiete ansetzen, aber all das ist natürlich Verhandlungsbasis. Das ist viel Geld, wie ich finde – dennoch sollte man immer die Vor- und Nachteile abwägen.

Im Bad wird meistens die Maske aufgebaut.
Abstellflächen werden gerne genutzt.

Tipps und Tricks

Ihr möchtet selbst euer Haus oder eure Wohnung für ein Fotoshooting oder einen Dreh vermieten? Dann findet ihr hier unsere Tipps und Tricks in aller Kürze:

  • Abwägen, welche Art von Produktion bzw. welches Ausmaß für dich in Frage kommt
  • (Ggf. mit der Vermietung klären, ob so etwas akzeptiert wird)
  • Nach Locationsscouts oder -agentur in der Region suchen und sich mit den Räumlichkeiten dort “bewerben”
  • Bei der Vorbesichtigung die wichtigsten Fragen klären (s. oben)
  • Vor dem Shooting eine “Übergabe” machen, in der man Mängel aufnimmt. Damit steht man hinterher besser dar, sollte etwas passieren.
  • Wichtig: Nach dem Shooting muss auf die Locationvermietung Steuern gezahlt werden
Hier könnt ihr zum Beispiel mal vorbei gucken:

Ein kleiner Ausschnitt aus der "Werbekarriere" unseres Hauses:

2016: Fotoshooting für ein homöopathisches Präparat , Fotograf: Marcus Müller Saran

2018: Werbedreh für Vorwerk Saugroboter und Akku-Staubsauger, Produktion: peoplegrapher

2017: Werbespot Motorsport-Total

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